CD (Gold CD) Groove Note GRV2005
Jay McShann: What A Wonderful World
Piney Brown Blues, Cherry Red
Just For You, Gee Baby Ain’t I Good To You
Crazy Legs and Friday Strut
Rain Is Such A Lonesome Sound
Land Of Dreams, Lonely Boy Blues
Hot Biscuits, Blue Monday
What A Wonderful World
Bonus 45 RPM
Gee Baby Ain’t 1 Good To You
What A Wonderful World
Until The Real Thing Comes Along
Aufnahmejahr: 1999
Dass er viele Babies weinen gehört und gross werden gesehen hat, sehr viele sogar, daran besteht nicht der geringste Zweifel. Immerhin ist er zur Zeit der Aufnahme seiner jüngsten Platte, worauf er all diese Babies besingt und noch manches mehr, was er in seinem bisherigen Leben gesehen hat, gerade mal 83 Jahre jung. (Daran bestehen allerdings gewisse Zweifel, denn das mit den 83, Jahrgang 1916 also, ist seine Version; mehrere Musiklexika geben als Geburtsdatum übereinstimmend den 12. 1. 1909 an, und demnach hätte das jüngste Plattenbaby des Jay McShann einen 90jährigen Vater - ein wundervoller Gedanke beim Hineinträumen in diese wundervolle Scheibe.)
83 oder 90 - Jay McShann ist definitiv, was man eine lebende Legende nennt, ein gewaltig klingendes Stück Musikgeschichte des ausklingenden 20. Jahrhunderts und eine lkone seiner selbst. Denn der letzte grosse Blueser aus der vormaligen Jazz- und Bluesmetropole Kansas City war und ist immer sich selbst geblieben: „Wenn in meinem Spiel überhaupt etwas von anderen steckt, dann von Art Tatum.“ Aber nur wenn überhaupt.
Und nun hat der 83- bis 90jährige Jüngling also noch einmal in die Tasten gegriffen, in seiner musikalischen Heimatstadt Kansas City, wo er 1936 auf der Reise zu seinem Onkel bei einem Busstopp hängengeblieben ist und seit nunmehr über 60 Jahren konzertiert (und wo er nebenbei anno '39 einen gewissen Charlie Parker in seine Band aufgenommen und diesen anno '41 erstmals auf Schallplatte verewigt hat: „Confessin' the Blues“). Und wie er in die Tasten greift, und wie er sich nach wie vor zum Blues bekennt: Mal scheint er sich die fliegenden Finger an den Tasten wie an „Hot Biscuits“ zu verbrennen, dann lässt er sie traumhaft traumverloren durch ein „Land Of Dreams“ schweben, und dann singt und summt er eben so wundervoll von all diesen Babies, anders, aber nicht minder wundervoll als Louis Armstrong. In der Tat: „It's A Wonderful World“, it's a wonderful sound, und „Gee Baby, he is good to you“.
(+) zum Vergrößern auf die Bilder klicken