MP39768

15,00 EUR

MP39768
LP (150g Vinyl) CBS MP39768

Igor Strawinsky

Ebony Concerto
Benny Goodman (Klarinette)
Columbia Jazz Ensemble
Igor Strawinsky (Leitung)

Ragtime für 11 Instrumente
Columbia Chamber Ensemble
Toni Koves (Cimbalom)
Igor Strawinsky (Leitung)

Praeludium
Columbia Jazz Ensemble
Igor Strawinsky (Leitung)

Tango
Columbia Jazz Ensemble
Igor Strawinsky (Leitung)


Leonard Bernstein

Praeludium, Fuge und Riffs
Benny Goodman (Klarinette)
Columbia Jazz Combo
Leonard Bernstein (Leitung)


Howard Brubeck

Dialogues for Jazz Combo & Orchestra
The Dave Brubeck Quartet
New York Philharmonic
Leonard Bernstein (Leitung)

Die Einteilung der Musik in die Kategorien "Klassik", "Unterhaltung", "Folklore" und "Jazz" schafft zwar Ordnung und mag nützlich sein, ist aber wie jede Katalogisierung künstlich und allgemein. Individuellen Entwicklungen und speziellen Erscheinungen trägt sie nicht Rechnung. Vor allem aber fördern Etiketten und Schlagwörter die Bildung von Vorurteilen. Der Musikfreund, der sich in seine Klassikecke oder sein Jazzrefugium verkriecht, läuft Gefahr, sich vor den ihm unvertrauten Musikgattungen zu verschliessen und unbewusst musikalische Verluste hinzunehmen.
Vielleicht vermag die vorliegende Schallplatte den einen oder den andern aus seiner Ecke herauszulocken, ihm die Ohren und den Sinn zu öffnen für eine ungewohnte Klangwelt, den Dialog zwischen Jazz und Klassik zu ermöglichen.

Igor Strawinsky, 1882 in Russland geboren, kam früh nach Paris, wo er seine ersten grossen Erfolge mit seinen Balletten feierte. Rückgriffe auf volkstümliche Melodien gehörten schon damals zu seinen kompositorischen Mitteln, vor allem im Ballett "Petruschka". Was lag da nahen als dass sich Strawinsky in den Jahren des Ersten Wettkrieges für den damals in Europa neuen Jazz zu interessieren begann? Im schweizerischen Exil entstand 1918 "Ragtime", sein erstes von Jazzelementen geprägtes Werk. In späteren Jahren, als er sich in den USA niedergelassen hatte, wurde seine Beziehung zum Jazz enger.
Für den Klarinettisten, Saxophonisten und Sänger Woody Hennan, der mit seinem 1944 gegründeten Orchester an die Spitze der letzten grossen Swingbands vorgestossen war, schrieb Strawinsky 1945 das "Ebony Concerto".
In seinen vom Jazz inspirierten Werken übernimmt Strawinsky Rhythums- und Klangelemente des Jazz, doch bleibt für Improvisationen kein Freiraum, da die Stücke vollständig auskomponiert sind.

Anders verhält es sich bei der Musik Howard Brubecks. In den "Dialogen für Jazz Combo und Orchester" (1959) hält sich das Orchester strikte an den geschriebenen Part, während die Combo, eine kleine Jazzgruppe aus Klavier, Alt-Saxophon, Schlagzeug und Kontrabass über das thematische Material improvisiert.
Während also Strawinsky in klassischer Manier seine Musik bis zur letzten Note komponiert und lediglich neue, ungewohnte Ausdrucksmittel aus einer fremden Musiktradition entlehnt (vgl. etwa das "exotische" Kolorit in Mozarts "türkischem Marsch" oder in Bizets "Carmen"), konfrontiert Brubeck das klassische Sinfonieorchester mit der improvisierenden Jazz-Formation mit dem Wunsch, die ungleichen Partner mögen miteinander den Dialog aufnehmen.

Nicht nur in der Musik dieser Schallplatte durchdringen sich Jazz und Klassik. Auch zwei der Interpreten sind mit beiden Sparten eng verwachsen. Wenn Benny Goodman, der im "Ebony Concerto" mit Virtuosität sein Ebenholz-Rohr bläst, vor allem als Jazzklarinettist bekannt ist, soll hier in Erinnerung gerufen werden, dass Copland, Bartok und Hindemith für ihn komponiert haben und dass er eine Meisterklasse für Klarinette am Julliard Institute geleitet hat. Und Dave Brubeck, der berühmtere Bruder von Howard Brubeck und gefeierter Jazzpianist, hat einst bei Darius Milhaud und Arnold Schönberg Komposition studiert.

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